Angenommen, es gibt eine riesige Fläche wilder Erdbeerfelder, auf denen ich meine Erdbeeren umsonst pflücken kann und genau daneben steht aber ein Bauer auf einem Feld, welches ihm gehört und er verlangt fünf Mark pro gepflücktem und selbst mitgebrachtem Eimerchen Erdbeeren. Keine Frage, wo ich meine Erdbeeren pflücke, oder? Das heißt, der Bauer, der da fünf Mark verlangt, wird nichts verkaufen (es sei denn, seine Erdbeeren sind wesentlich besser, größer, saftiger, oder was auch immer. Dann stimmt aber der Vergleich nicht mehr). Damit der Bauer nun aber Geld verdienen kann, benötigt er bestimmte „Rahmenbedingungen“, die ihm das Geld verdienen ermöglichen.
Gehen wir mal davon aus, er eignet sich einige der Felder einfach so an und keiner sagt was. Er könnte dafür beispielsweise hohe Zäune um diese Felder ziehen, so dass niemand mehr reinkommt. Dann könnte der Bauer Eintritt verlangen. Er könnte auch die Felder parzellieren und verkaufen oder verpachten. Die neuen Eigentümer oder Pächter können dann auch Geld verlangen, für die Erdbeeren oder für das Selbstpflücken der Erdbeeren. Da aber auf anderen wilden Feldern immer noch frei Erdbeeren zu pflücken sind, wird es schwer sein, Erdbeeren zu verkaufen. Unser Bauer pflückt und verschenkt nun seine Erdbeeren, er verlangt stattdessen für die Schale Geld, oder für das Eimerchen, das er dazu verkauft. Es wäre dann verboten, eigene Eimer von zu Hause mitzubringen, stattdessen müsste man die Eimerchen bei dem Erdbeerfeld-Besitzer kaufen, auf dessen Feldern man auch pflücken möchte. Dann würde man noch verbieten, mit den Eimerchen des Erbeerfeld-Besitzers A auf das Feld von Erdbeerfeld-Besitzer B zu gehen. So dass ich durch den einmaligen Kauf meines Eimers bei Erdbeerfeld A gezwungen bin, auch wieder zu Erdbeerfeld A zu gehen, wenn ich mir nicht jedesmal ein neues Eimerchen kaufen möchte.
Die anderen Erdbeerfeld-Besitzer machen das natürlich auch. Damit ich aber trotzdem bei beispielsweise Erdbeerfeld A bleibe und nicht woanders meine Erdbeeren pflücke, wird allerhand kunterbuntes Treiben von Erdbeerfeldbesitzer A veranstaltet und zwar so, dass ich gerne und oft zu genau ihm wiederkomme – und auch komme, wenn ich gar keine Erdbeeren möchte. Auf den Feldern werden zum Beispiel kleine Plauderecken eingerichtet, der Erdbeerfeld-Besitzer stellt lauter kleine Briefkästen auf, in denen Post für mich drin liegt und er verschickt sogar meine Post an andere Leute, wenn ich das will. Außerdem stehen überall Zeitungsständer rum, mit den neuesten Nachrichten. Sinn der Sache ist, dass der Erdbeerfeld-Besitzer nämlich auch Werbeschilder aufstellen kann auf seinem Feld und je mehr Leute sich bei ihm tummeln, desto mehr Geld bekommt er für das Aufstellen eines Werbesschildes. Naja. Die anderen Erdbeerfeld-Besitzer machen das natürlich auch, weil sie auch Geld verdienen wollen. Aber langsam wird das immer schwieriger.
Die Erdbeerfeld-Besitzer müssen soviel arbeiten und Geld ausgeben für ihre Plauderecken und Nachrichtenservice und was weiß ich noch alles und die Werbekunden bleiben aus, weil die Erdbeerfelder so riesig sind und so voll gestopft mit Werbung, dass ein einzelnes Schild fast nicht mehr auffällt, außerdem sind die meisten Leute eh genervt, von den Schildern, weil sie die ganze Natur verschandeln. Naja. Jedenfalls geht’s den Erdbeerfeld-Besitzern immer schlechter und ihr Aufwand steht gar nicht mehr im Verhältnis zum Ertrag und deshalb kämpfen sie dafür, dass entweder alle wild wachsenden Erdbeeren verboten oder vernichtet werden und das niemand Erdbeeren mehr woanders säen und ernten darf, ohne Geld dafür zu verlangen. Dazu müssen natürlich alle Felder vergeben werden oder sie müssen vernichtet werden oder beides. Auf alle Fälle darf es keine freien, wilden Erdbeeren mehr geben. Nun ist aber das Problem, dass der Zugang zu den Feldern nicht schwer ist, auch wenn die Zäune hoch sind. Es gibt immer Leute, die Löcher entdecken, oder die in ihrem Garten eigenen Erdbeeren heimlich pflanzen.
Außerdem sprießen wilde Erdbeeren überall und sehr schnell. Deshalb werden Gesetze erlassen und Leute, die wilde Erdbeeren pflücken, werden hart bestraft. Außerdem werden die Erdbeerfelder elektronisch überwacht. Wenn ich durch den Zaun komme und eine Erdbeere pflücke, werden meine Fußabdrücke gleich an die Erdbeerfeld-Polizeizentrale weitergeleitet, dort gibt es eine Kartei und da steht alles über mich drin. Außerdem können die Erdbeersamen gentechnisch so verändert werden, dass jede Erdbeere auf ihren ursprünglichen Erdbeerfeld-Besitzer zurückführbar ist und man dann, sobald man eine solche Erdbeere findet im freien Feld oder auf dem Markt oder sonstwo, nachvollziehen kann, woher diese Erdbeere kommt und wer nun eigentlich dafür das Geld bekommt. Wenn man dies übergeht, macht man sich strafbar und kommt ins Erdbeergefängnis.
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