Vor einiger Zeit rezensierte Franz Schäfer mein Buch “Copyright und Copyriot” auf der Homepage der “Linken Ottakringer Grundorganisation”. Er schrieb darin u.a.: “Leicht getrübt wird das Bild dieses excellenten Buches dadurch, dass Sabine bei dem Versuch aufzuzeigen, wo die AktivistInnen der Freien Software und FilesharerInnen in den Kategorien der kapitalistischen Welt verhaftet bleiben, durchaus auch etwas über ihr Ziel hinausschiesst.” Franz ist der Meinung, dass ich das revolutionäre Potential der AktivistInnen von Freier Software und FileSharing verkenne, bzw. zu negativ zeichne. Da er mit dieser Kritik nicht alleine steht, blogge ich hier einen Auszug aus der österreichischen Zeitschrift Malmoe, die das nochmal genauer wissen wollte. Das Interview steht nun online. Der betreffende Auszug daraus lautet:
Malmoe: “Besteht nicht, wie Franz Schäfer in früheren Ausgaben der MALMOE und auch in einer Rezension ihres Buches behauptet, Hoffnung dass sich Menschen, deren Praxis quer zur herrschenden kapitalistischen Funktionslogik steht, mit dieser in Konflikt geraten, und sich gerade daran politisieren?”
Sabine Nuss: “Ich kann doch keiner Praxis ihr Politisierungspotential absprechen – Potential bedeutet hier ja nur “Möglichkeit”. Ich kann mich noch erinnern, dass zu meiner Politisierung unter anderem die gemeinsamen Aktionen in der katholischen Jugendgemeinde beitrugen, die für sich gesehen nicht gerade revolutionär waren. Denkbar ist ja sogar, dass sich Leute gerade über völlig systemkonforme Praxen politisieren, zum Beispiel über den Irak-Krieg oder Hartz-Reformen. Was ich damit sagen will: Es ist im Voraus überhaupt nicht zu entscheiden, was Leute politisiert und was nicht. Das ist höchst zufällig und individuell. Warum soll Freie Software hier besonders privilegiert sein? Nur, weil ihre Produktionsweise für kapitalistische Verhältnisse atypisch ist? Üblicherweise heißt es auf Seiten der Verfechter von Freier Software (wenn sie nicht eh schon kapitalismus-kritisch sind), dass diese spezielle Eigentumsform nur möglich ist, weil es sich um ein immaterielles und damit nicht-knappes Gut handelt. Das heißt ja im Umkehrschluss: In der materiellen Welt ist Privateigentum notwendig, weil hier die Güter knapp sind. Deshalb war es mir ja so wichtig, das herrschende Eigentumsverständnis zu untersuchen. Das ergab, dass sowohl die Kritiker des Geistigen Eigentums als auch die Befürworter auf Basis der gleichen theoretischen Vorannahmen argumentieren. Ich bezweifle daher, dass sich Menschen in der Auseinandersetzung mit Freier Software besser politisieren als in der katholischen Jugendgemeinde.”
